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Katzenkacke die Zweite. Sonntag, 22.11.2020

So wie der Tag gestern endete, so ging er heute direkt los. Dieses Wochenende wird anscheinend beherrscht von zuviel Katzencontent. Miau.

Das allmorgendliche „Darf ich schon aufstehen“-Ritual haben wir wieder irgendwann zwischen sieben und acht Uhr hinter uns gebracht. Gerd dreht sich aber nochmal rum und ich gehe mit allen meinen Kindern ins Wohnzimmer. Ich weiss, es sind nur drei. Aber Sonntagsmorgens, vor dem ersten Kaffee, um silly o‘ clock, noch mit dem Abdruck vom Kissen auf der Backe, fuehlen sich drei Kinder gerne mal an wie 8 Kinder. Ich befehle diesen Kindern, wie jeden Sonntagmorgen, sich irgendwas bescheuertes im Fernseher anzugucken, mich meinen Kaffee trinken zu lassen und warte darauf, dass ich langsam wach werde. Dabei hoere ich ein bisschen WDR 2 Rhein und Ruhr, raeume die Spuelmaschine aus und trinke meinen Kaffee. Draussen ist der Himmel wolkenlos, ich sehe, dass das Gras ueberfroren ist und vermute, dass es ein sonniger, schoener Tag wird. Der Mann darf noch liegen bleiben, beschliesse ich, und ziehe mir meinen Fleecepulli ueber meinen Schlawwanzuch und setze mir eine dicke Muetze auf die Strubbelhaare um die Tiere aus ihren Betten zu werfen und zu fuettern und will wie immer bei den Katzen anfangen. Das ist logisch, denn die Katzen wohnen im Hausarbeitsraum und da muss ich durch, um in den Garten zu kommen. Ohne Brille aber mit 2 Pfund Schlafsand auf der Linse denke ich im ersten Moment, die bloeden Katzen haetten ihren Futternapf runtergeschmissen aber als ich genau hingucke sehe ich, dass das nicht Futterbroeckchen auf dem Boden und auf der Gefriertruhe und auf der Fussmatte sind sondern Blutspritzer. Und zwar jede Menge davon. Es sieht aus, als haette jemand in unserem Hausarbeitsraum Saw 9 gedreht und vergessen, schnell durchzuwischen nachdem die Filmcrew sich vom Set verzogen hat um im Tullamore Court Hotel After Work Drinks zu schlabbern und sich gegenseitig die Texte fuer den naechsten Drehtag abzufragen. Oder so.

Die Katze Bundy ist da. Wie immer. Bundy ist wirklich IMMER da. Die ist naemlich faul. Sie faengt keine Maeuse, sie klettert nicht auf Zaeunen rum und will nicht spielen. Sie liegt den ganzen Tag rum und pennt. Und frisst einfach das Futter, das wir ihr fressfertig in ihren Napf schuetten. Ein bisschen langweilig.
Aber wenigstens kackt sie nicht in anderer Leute Betten. Das hat auch Vorteile.

Ich kriege reinen riesigen Schreck und rufe Aubrey. Die kommt auch direkt durch die Katzenklappe rein geklettert und schmiert noch mehr Blut herum. Es tropft ihr richtig aus dem Gesicht. Ich verriegel erstmal alle Tueren nach draussen und schmeisse den Mann aus dem Bett und plapper panisch drauflos. „Die Katze blutet alles voll und die sieht aus als waere sie vom Auto angefahren worden und der Boden ist voller Blut und es ist Sonntag und die Tieraerzte haben nicht auf und ich hab noch meinen Schlafanzug an und die Katze sieht ganz schrecklich aus …“ und er kommt ganz schlaefrig hinter mir hergetaumelt und dann stehen wir erstmal etwas ratlos in der Splatterfilm-Szene rum. Denn die Katze ist zwar ziemlich blutverschmiert, wirkt aber ansonsten eher hungrig als verletzt.

Im ersten Moment denke ich „Tja, du dumme Katze. DAS kommt halt davon, wenn man sich nicht benimmt. Sieh zu, wie du DAMIT fertig wirst“, aber dann rufe ich doch den Tierarzt im Ort an. Da geht natuerlich keiner ran. Nur der Anrufbeantworter, der mir erzaehlt, dass die Praxis geschlossen ist und mir eine andere Telefonnummer gibt fuer „in the case of an emergency“. Da rufe ich an und plapper natuerlich erstmal wieder richtig sinnloses Zeug auf einen Mann ein, der klingt, als haette er vergessen, dass er fuer den Notdienst eingeteilt war und erst um drei Uhr morgens aus der Kneipe herausgestolpert ist. Was wahrscheinlich aber einfach daran liegen koennte, dass nicht jeder einen Alfie hat, der einen zu einer sehr unchristlichen Zeit morgens aus dem Bett quasselt. Und der gute Mann einfach Sonntagsmorgens um acht noch schlaeft. KOENNTE SEIN!

Das Gespraech verlief ungefaehr so:

Er: „Hallo?“ (Hasse ich ja. Sag deinen NAMEN, wenn du ans Telefon gehst.)
Ich: „Aeh ja, hallo. Bist du der Tierarzt?“ (Das klingt jetzt auf Deutsch so, als waere ich erst 4 Jahre alt und koennte mich nicht anstaendig mit Fremden unterhalten, aber auf Englisch sagt man halt „du“ zu allen Menschen.)
Er so: „Ja. Bin ich. Warum?“
Und ich so: „Naja, unsere Katze kam grad nach Hause und ist voller Blut und sie sieht ganz schrecklich aus und das ganze Zimmer ist voller Blut und es scheint aus ihrem Kopf raus zu laufen aber eigentlich wirkt sie sehr munter fuer eine Katze die aussieht als waere sie von einem Maehdrescher ueberrollt worden aber sie frisst jetzt ganz normal und wirkt auch nicht verschreckt oder als haette sie Schmerzen also hat sie vielleicht gekaempft und es ist garnicht ihr eigenes Blut und vielleicht hat sie ja auch garnichts aber das Auge ist so blutverschmiert also wollte ich mal fragen ob sie wohl versorgt werden muss.“
Und er so: „Naja. Das kann ich so nicht sagen. Dafuer muesste ich die Katze mal sehen.“

Kluger Mann. Da hatte er wohl Recht. Und vielleicht hat er auch mit den Augen gerollt und vielleicht ganz kurz seine Berufswahl in Frage gestellt. Wer wuerde es ihm veruebeln? Aber er hat mir vorgeschlagen, mich um halb zehn an seiner Praxis zu treffen. Und hat noch schnell „mit Katze“ hinterhergeschoben, fuer den Fall, dass ich genau so bloed bin, wie ich am Telefon klinge.

Aubreykatze und ich sind dann mit einem Sack voll Gold fuer die Bezahlung (aerztliche Notdienste sind auch fuer Tiere nicht kostenlos) behangen zur Praxis gefahren und da wurde festgestellt, dass sie wahrscheinlich mit einem anderen Tier gekaempft hat und dabei am inneren Augenlid erwischt wurde. Darum tropfte sie auch aus dem Gesicht. Aber ein Grossteil von dem Blut, mit dem sie so angeberisch herumgesaut hat, war wohl nicht ihr eigenes. Ehrlich gesagt hat sie auch die ganze Zeit so geguckt als wenn sie dachte: „Leeeeute. Macht mal nicht so’n Aufstand wegen dem kleinen Kratzer an meinem Auge. Ihr haetten den ANDEREN mal sehen sollen. Die arme Sau grabbed mich so schnell nicht nochmal by the pussy, soviel steht fest!“

Aubrey bekommt jetzt antibiotische Augentropfen und Schmerztabletten und hat ein paar Tage Stubenarrest damit das Auge heilen kann und um ueber ihr ruepelhaftes Verhalten nachzudenken.

€80.- hat mich der erquickende Ausflug am Sonntagmorgen gekostet. Plus das Geld das ich gegenueber der Praxis fuer frische Scones fuers Fruehstueck ausgegeben habe. Aber man goennt sich ja sonst nix.

Habt einen schoenen Start in die neue Woche!

Slán!

Lena

Weisskohl-Curry mit roten Linsen

vegan, glutenfrei, kinderfreundlich fuer Kinder ohne Gemueseintoleranz

Kennt ihr das? Ein halber Weisskohl liegt im Kuehlschrank rum und man weiss nicht, was man damit machen soll? Nee? Ich auch nicht.

Normalerweise mache ich einfach VIEL Krautsalat oder VIEL Weisskohleintopf und nichts bleibt uebrig. Ausser gestern. Da habe ich nur ein bisschen Krautsalat gemacht. Allerdings mit Absicht, weil ich heute mal probieren wollte, ein Weisskohlcurry zu machen. Und es hat wirklich richtig lecker geschmeckt. Sogar die Kinder musste ich nur ein BISSCHEN mit der Aussicht auf Kaubonbon-Nachtisch erpressen animieren, mehr als nur etwas trockenen Reis zu essen. Und ich hab grad nochmal nachgeguckt, sie leben noch. Niemand ist an zuviel Gemuese im Mittagessen gestorben.

Ich bin keine Koechin und habe kein fancy-shmancy Werkzeug und auch nie wirklich viel Zeit zum Kochen, darum bin ich mir ziemlich sicher, dass jeder, der ein Schneidebrett und ein einigermassen scharfes Messer, einen Loeffel und einen Topf hat, das Gericht nachkochen kann. Die benoetigten Lebensmittel braucht man natuerlich auch, man kann das Rezept aber auch etwas abwandeln oder was weglassen, dann ist es aber natuerlich nicht mehr so UNFASSBAR LECKER, wie als wenn man MEINE ausgesuchten Zutaten benutzt. Logisch.

Ihr braucht:

  • 2 EL Oel
  • 1/2 Weisskohl
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL mildes oder mittelscharfes Currypulver
  • 1 EL Senfsamen
  • 2 Moehren
  • 2 EL Tomatenmark
  • 1 Dose Tomatenstuecke
  • 1 Dose Kokosmilch
  • 250ml Gemuesebruehe
  • 200g ungekochte, rote Linsen
  • evtl etwas Wasser
  • 2 EL Mangochutney oder Aprikosenkonfituere
  • Salz
  • evtl. frischen Koriander und/oder Chilipulver

Schritt fuer Schritt:

  1. Den Weisskohl auf einer Mandoline raspeln oder mit einem Messer in duenne Streifen schneiden. Die Moehren ggf. schaelen und auf der Mandoline hobeln oder mit einem Messer in Scheiben schneiden. Die Zwiebel abziehen und wuerfeln.
  2. Das Oel in einem grossen Topf erhitzen, den Weisskohl in den Topf geben und scharf anbraten bis er anfaengt, leicht zu braeunen. Das Currypulver und die Senfsamen dazugeben und weitere 2-3 Minuten weiter braten. Dabei umruehren, damit nichts anbrennt.
  3. Hitze reduzieren, Tomatenmark und Moehrenscheiben zum Weisskohl und der Zwiebel geben und ein paar Minuten duensten. Immer mal umruehren.
  4. Die Tomatenstuecke, die Kokosmilch und die Bruehe in den Topf schuetten, alles vermischen, aufkochen und bei mittlerer Hitze 10 min koecheln lassen.
  5. Die Linsen dazu geben, wieder aufkochen, Hitze reduzieren, Deckel drauf und nochmal 20min koecheln lassen bis die Linsen gar sind und das Curry schoen cremig ist. Nicht vergessen immer mal zu ruehren, (Ich weiss! Keiner hat gesagt, dass NICHT mitgearbeitet werden muss! Voll das Arm-Workout hier!) damit die Linsen nicht am Topfboden festbacken. Eventuell immer mal Wasser dazu geben, wenn ihr findet dass die Mischung zu trocken wird.
  6. Zum Schluss das Chutney bzw. die Aprikosenkonfituere dazugeben und alles gut vermischen. Ich weiss, das scheint total bekloppt. Aber VERTRAUT MIR! Die fruchtige Suesse macht den besonders leckeren Geschmack des Currys aus. Mit Salz und evtl noch etwas Currypulver oder Chili abschmecken.

Dazu gabs bei uns heute Reis und fuer mich obendrauf eine handvoll gehackten, frischen Koriander und eine Prise Cayenne Chilipulver. Koriander ist aber natuerlich nicht jedermanns Sache und scharfes Essen auch nicht.
Und statt Reis kann man dazu bestimmt auch super Couscous oder Brot essen. Dann ist es aber evtl nicht mehr glutenfrei.
Oder man isst dazu einfach nix. Dann ist es vielleicht auch noch Low Carb. Und so weiter.

Guten Appetit! Bain taitneamh as do bhia!

Lena


(Meine Kinder leben uebrigens immernoch. Nur, falls sich jemand fragt.)

Erster Blog Post

Guten Morgen aus Irland. Es ist Sonntagmorgen, ungefaehr viertel vor 9. Ich sitze am Kuechentisch, Klara und Alfie spielen nintendo und Fritz guckt Paw Patrol.

Ich trinke Kaffee aus einer Kaffeetasse die ich mir letzte Woche gekauft habe. Als ich eigentlich keine Lust hatte einkaufen zu gehen, aber noch Zutaten fuer meine Geburtstagstorte brauchte und mir ausserdem der Krach zu Hause richtig auf die Nerven ging. Da bin ich dann doch freiwillig einkaufen gegangen. Seit langem mal wieder. Hat garnicht weh getan und ich habe sogar 4 witzige neue Tassen bekommen fuer die Weihnachtszeit. Die Regale mit der Weihnachtsdekoration im Supermarkt waren mit durchsichtigen Folien behangen, so dass man die Christbaumkugeln, die Lichterketten, Kerzen und die Dekoration zwar sehen konnte, aber weil die Regierung beschlossen hat, den Verkauf von „non-essential“ also „nicht unbedingt lebensnotwendigen Waren“ zu verbieten waehrend wir im Lockdown sind, konnte ich halt nur gucken. Nicht kaufen. Der Sinn hinter diesen Massnahmen ist, dass man die anderen, kleinen Geschaefte, die keine Lebensmittel oder andere Lebenswichtige Dinge verkaufen und darum garnicht oeffnen duerfen, nicht benachteiligt. Oder so.

Im Moment sind wir im Level 5, die hoechste Lockdownstufe hier in Irland.

Also, 3 1/2 Wochen sind rum und es sind jetzt noch 2 1/2 Wochen bis die Einschraenkungen gelockert werden. Solange koennen wir uns nur im Radius von 5km um unser Haus herum zu „Freizeitzwecken“ bewegen, niemanden besuchen, keinen Besuch zu uns einladen, uns auch nicht draussen treffen. Viele Geschaefte, wie Restaurants, Frisoere, Pubs, Hotels etc bleiben weiter geschlossen bzw Restaurants und Cafes koennen nur „ausser Haus“ verkaufen . Die Schulen und Betreuungseinrichtungen sind aber immernoch geoeffnet. Dafuer gibt es Strassenkontrollen der Polizei, die immer mal fuer Stau sorgen.
Es gibt einige andere Bestimmungen und jetzt auch eine Geldstrafe fuer diejenigen, die sich beim Regelbrechen erwischen lassen. Noch bis zum 2. Dezember.

Dann kommt Level 3.

Dann duerfen wir uns wieder mit einem anderen Haushalt treffen der aus maximal 6 Menschen besteht. Unter bestimmten Voraussetzungen duerfen wieder kleine Veranstaltungen draussen stattfinden und Frisoere mit strengen Hyegienemassnahmen wieder arbeiten und Geschaefte duerfen wieder oeffnen. Kulturelle Einrichtungen bleiben geschlossen, wir duerfen uns innerhalb unseres Countys frei bewegen und Restaurants duerfen wieder Gaeste bewirten, aber nur draussen. Also werden dann auch wieder die Folien von den Weihnachtskrimskramsregalen im Supermarkt entfernt.

Kurz vor Weihnachten kommt dann Level 2.

Dann kann man wieder unter bestimmten Voraussetzungen und mit begrenzten Personenzahlen in kleinen Gruppen essen gehen und ins Pub, die Kirchen duerfen wieder fuer bis zu 50 Menschen pro Messe oeffnen, es darf sich wieder in groesseren Gruppen draussen getroffen werden und sowas. Und man darf sich wieder frei in der Republik bewegen um ueber die Feiertage Verwandte zu besuchen.

Fuer uns aendert sich dann aber nicht so viel. Denn nach Deutschland fliegen kommt fuer uns nicht in Frage und wir koennen es nicht riskieren, meine Mama, die zur Risikogruppe gehoert in einem Flugzeug nach Irland zu holen.
Also planen wir gerade uns and Heiligabend ueber Skype zu sehen falls die Internetverbindung das hergibt denn wahrscheinlich sind wir dieses Jahr nicht die Einzigen mit diesem Plan.

Eigentlich wollte ich in meinem Blog NICHT ueber Corona schreiben (oder ueber Menschen meckern die ueber Corona meckern), aber jetzt ist es halt doch so gekommen. Direkt im ersten Post. Wahrscheinlich, weil es gerade so praesent ist und unser Leben bestimmt und es DAS Thema dieses Jahr ist. Da kommste nicht drumherum. Und ich werde immer mal gefragt, wie das bei uns in Irland so ist mit Covid. Jetzt wissta bescheid.

Ab jetzt wirds aber bestimmt unterhaltsamer und weniger Coronalastig.

Hoffentlich.

Habt’s schoen!

Lena